Zukunft bilden

Es gibt viele verschiedene Beschreibungen für das, was in vielen Teilen Afrikas aktuell vorgeht. „Fachkräfteabwanderung", „Brain-Drain" und „Bildungsmigration" sind einige davon. Dieses Phänomen kennen wir bei uns im Verein aus eigener Erfahrung. Der Gründer und Vereinsvorsitzende Contimi „Samuel" Kenfack Mouafo, selbst gebürtiger Kameruner, ist mit 19 Jahren nach Deutschland gekommen, um Elektrotechnik zu studieren. Anlass dafür waren die mangelnden akademischen und beruflichen Perspektiven in seinem Heimatland. Die Herausforderungen, die sich ihm in Form einer neuen Sprache, einer grundlegend verschiedenen Kultur und einem höchst anspruchsvollem Studium boten, gaben im dabei keinen Anlass dazu, an eine ernsthafte Rückkehr in seine Heimat zu denken. Nicht, weil ihm die Heimat nicht fehlte, aber vielmehr aufgrund der angesprochenen Perspektivlosigkeit.

Bei diesem Phänomen ist Contimi nicht der einzig Betroffene. Die oben abgebildete Statistik beruht auf den Ergebnissen des United Nations Development Program (UNDP) - Scaling Fences Reports von 2019. Im Rahmen dieses Reports wurden illegale afrikanische Migranten bzgl. ihrer Migration nach Europa befragt. Während nur 2% der Befragten angab, dass ein besseres Wissen um diejenigen Gefahren, die die Reise nach Europa auf Land- und Seeweg mit sich bringt, sie von der Reise im Vorfeld hätten abhalten können, bringen 24% eine fehlende ökonomische Perspektive in ihrer Heimat als Argument für ihre Migration an. Besonders hervorzuheben ist allerdings die Aussage der Statistik, dass 41% der Befragten eine totale Perspektivlosigkeit durch die Antwort „Nothing" zum Ausdruck bringen. Laut ihrer Antwort hätten sie unter jedweden anderen Vorzeichen die gleiche gefährliche Reise auf sich genommen.

Nachhaltigkeit als Konzept

Genau da wollen wir mit der unserer Meinung nach nachhaltigsten aller Unterstützungsleistungen ansetzen: Mit Bildung. Dabei verfolgen wir den Bottom-Up Ansatz, d.h. wir wollen die jungen Hoffnungsträger*innen finden, die sich trotz allgemein empfundener Perspektivlosigkeit für einen Verbleib in ihrem Heimatland - oder zumindest auf ihrem Kontinent - entschieden haben und zu potenziellen Vorbilder und Changemaker heranwachsen. Dazu konzentrieren wir uns auf afrikanische Studierende und Promovierende, die an afrikanischen Hochschulen oder Universitäten eingeschrieben sind. Diesen wollen wir die Möglichkeit geben, sich bei uns auf die Förderung und die Begleitung eines umweltverträglichen Forschungsprojektes zu bewerben. Durch dieses können Sie ihr erlerntes fachliches Wissen zur Lösung selbst ausgemachter lokaler Herausforderungen durch das Erarbeiten afrikanischer Lösungen vertiefen und erweitern, was sie zusätzlich dabei unterstützt, sich für eine mögliche Karriere im Hochschul-Umfeld, aber auch in der freien Wirtschaft zu qualifizieren. Eine Professorin oder ein Professor der jeweiligen Universität kümmern sich in unserem Modell gemeinsam mit anderen afrikanischen und europäischen ehrenamtlichen Expertinnen und Experten um die Einschätzung der Machbarkeit, die Begutachtung der Projekte und das Mentoring der afrikanischen Studierenden und Promovierenden. Wir als 3 E's 4 Africa e.V. sorgen neben der Finanzierung der Forschungsprojekte dafür, dass alle relevanten Akteure miteinander vernetzt werden und, dass die uns wichtigen Werte, die ein in großen Teilen autarkes Agieren der afrikanischen Partner beinhalten, in ausreichendem Maße berücksichtigt werden.

Potential wecken

Neben den humanitären Katastrophen, die jene aus Aussichtslosigkeit entstandenen Fluchtversuche mit sich bringen, was sich unter Anderem in tragischen Szenarien auf dem Mittelmeer äußert, gibt es eine fast noch folgenschwerere Komponente. Über die Hälfte der illegalen afrikanischen Migranten, die im Rahmen des bereits erwähnten United Nations Development Program (UNDP) - Scaling Fences Reports von 2019 befragt wurden, waren zum Zeitpunkt des Aufbruchs von Afrika aus nach Europa unter 25 Jahre alt. Die prozentual größte Gruppe bilden die 20-24-jährigen mit fast 35 % aller Befragten, das Durchschnittsalter liegt bei 24 Jahren. Zukünftige Verantwortungs- und Hoffnungsträgerinnen und -träger, die „Changemaker" verlassen ihre Heimat. Daraus resultierende mittel- bis langfristige Konsequenzen lassen sich nur erahnen. Eventuell ist nicht ein jeder dieser jungen Menschen auch ein potentieller Changemaker und der Altersdurchschnitt vieler afrikanischer Länder liegt auch in der Regel unter den Durchschnittswerten der Länder Europas. Nichtsdestotrotz zeigen diese Statistiken klare Tendenzen auf. Und dabei handelt es sich „nur" um die illegalen Migranten, ein großer Teil des „Brain-Drain" ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Diese Beobachtung aus der Vogelperspektive kann der in Deutschland studierende Kameruner Contimi Kenfack Mouafo, dessen Idee den Grundstein für 3 E's 4 Africa e.V. gelegt hat, aus eigener Erfahrung bestätigen.

Stark, unabhängig, Afrika

Ein weiterer wesentlicher Aspekt, der uns für das Thema Empowerment im Zusammenhang mit Afrika motiviert, ist ein vorhandenes Machtgefälle in den Strukturen der internationalen Politik und Ökonomie. Der Austausch zwischen Europa und Afrika beruht in vielen Bereichen aktuell darauf, dass sich europäische Institutionen, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen und Privatpersonen in Afrika im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) engagieren. Es erscheint geradezu abstrus, wenn beispielsweise eine ghanaische Bürgerinitiative vorschlagen würde, in Nordrhein-Westfalen Brunnen zu bauen, um die Einwohner eines Dorfes im Einzugsgebiet von Köln mit Wasser zu versorgen. Umgekehrt finden diese Projekte allerdings zuhauf statt. Wir von 3 E's 4 Africa e.V. können durch den Hintergrund vieler unserer Gründungsmitglieder in vergleichbaren EZ-Projekten die Notwendigkeit solcher Vorhaben voll und ganz anerkennen. Nicht umsonst gibt es das Sustainable Development Goal (SDG) #06 der Vereinten Nationen, welches da lautet: „Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen", für alle Bewohner der Erde gleichermaßen und zu erreichen bis spätestens 2030. Trotzdem ist es der langfristigen Entwicklung des Kontinents Afrika und der Vielzahl an dort beheimateten Ländern, Gesellschaften und Individuen hin zu einer positiven und stolzen Selbst- und Fremdwahrnehmung, welche nicht geprägt wird durch die Abhängigkeit von der europäischen Generosität, abträglich, wenn es sich um ungleich-gewichtete Kooperationen handelt, die bestehenden Denkmuster weiter verstärken.

Afrikanische Lösungen

Daher setzen wir mit den von uns beabsichtigten Forschungsprojekten von afrikanischen Studierenden und Promovierenden auf die Autonomie und Selbstbestimmtheit unserer afrikanischen Projektpartner. Ein großer Faktor dabei liegt für uns darin, dass die Vorschläge für Forschungsprojekte und daraus resultierende Anträge immer von den afrikanischen Studierenden und Promovierenden ausgehen und nicht von uns. Wir wollen dazu beitragen, mit unserer Initiative solche Rahmenbedingungen zu schaffen, in der das Potential der afrikanischen Studierenden und Promovierenden gefördert wird und diese ihre eigenen Ideen verwirklichen können, um afrikanische Lösungen für afrikanische Herausforderungen zu entwickeln. Wir wollen daran mitwirken, dass Afrika als erstes mit Forschung in hochaktuellen und zukunftsorientierten Thematiken und daraus entstehenden Wachstumsmärkten in Verbindung gebracht wird. Wir wollen es erreichen, dass noch mehr Afrikaner*innen und Europäer*innen, fundiert auf ihre Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung des Gegenübers, sich wahrhaft auf Augenhöhe begegnen. Und vor allem wollen wir, dass die von uns geförderten afrikanischen Hoffnungsträger*innen erkennen, welches Potential in Ihnen und Ihrem Kontinent noch in Teilen schlummert und nur darauf wartet, geweckt zu werden. Neben der Finanzierung und Begleitung der Forschungsprojekte und der Vernetzung mit Expertinnen und Experten, sehen wir eine weitere unserer Aufgaben darin, den schon existierenden afrikanischen Changemakers eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre Projektideen und Projekte vorstellen können, um dadurch zukünftige Hoffnungsträger*innen von den eigenen Möglichkeiten in der eigenen Heimat zu überzeugen.

Umwelt achten

Impact Cycles

Um die Auswirkungen unseres Vorhabens besser zu verdeutlichen, haben wir die 3E4A Impact Cycles konzipiert. Als Manifestation unserer Vision dient uns das Gesamtsystem aller drei Impact Cycles, die die Ebenen Universität, Wirtschaft und Gesellschaft betrachten, zu gleichen Teilen als Motivation und als Kompass. Es handelt sich dabei um ein selbstverstärkendes System, es muss nur ein Startimpuls auf Universitätsebene geleistet werden. Dieser Startimpuls muss von den Afrikanischen Studierenden und Promovierenden selbst geleistet werden. Unser Job ist es, ihre Arbeit ein bisschen leichter zu machen.